Expertenchat am 07.10.2019: Work-Life-Integration – Arbeit und Lebensqualität

Business woman standing outside in front of office building, using mobile phone — Image by © Bernd Vogel/Corbis

Wie könnte ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Anforderungen im Job, familiären Verpflichtungen und Ihren Wünschen und Lebenszielen für Sie persönlich aussehen? Weiterlesen „Expertenchat am 07.10.2019: Work-Life-Integration – Arbeit und Lebensqualität“

Expertenchat am 09.09.2019: Migräne

Im Schädel klopft und pulsiert es, an die täglichen Aktivitäten zu Hause oder bei der Arbeit ist kaum zu denken. Migräneattacken sind eine Qual. Wenn jemand häufig darunter leidet, ist es mit einer Packung Schmerzmitteln in der Schublade nicht getan. Wie sieht die richtige Behandlung aus? Was kann man tun, um vorzubeugen? Im Expertenchat am 9. September beantwortet unser Experte Ihre Fragen.

Unser Experte:

Professor Dr.med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel

Professor Hartmut Göbel ist Facharzt für Neurologie, speziell Schmerztherapie, Psychotherapie, Diplom-Psychologe, Gründer und Chefarzt der neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen unter anderem in klinischen Untersuchungen zu primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen, neuen Versorgungsformen in der Schmerztherapie und Studien zu neuen Therapieverfahren bei Migräne und Kopfschmerzen. Er ist Autor zahlreicher Publikationen aus dem Gesamtgebiet der Schmerztherapie, u.a.: „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe.“

Interview:

Warum leiden manche Menschen unter Migräne und andere nicht?

Bestimmte Risikogene in unseren Erbanlagen sind verantwortlich für eine hohe Migränebereitschaft. Einerseits betreffen sie das Herz-Kreislauf-System. Das zweite große Thema sind psychische und sensorische Mechanismen, für die unser Nervensystem verantwortlich ist, also Wahrnehmung, Denken, Kognition und Gefühle. Migränepatienten nehmen schneller wahr und reagieren schneller auf Reize.

Was löst eine Migräne aus?

Alles was zu schnell, zu plötzlich oder dauernd kommt, kann Migräneattacken auslösen. Stress steht ganz oben. Stress wird jedoch sehr individuell erlebt. Das zweite auf der Hitliste ist die Angst. Viele Patienten leiden mehr unter der Angst vor dem nächsten Anfall als unter den Schmerzen selbst. Weitere wichtige Auslöser sind negative oder positive Emotionen wie Sorgen, Traurigkeit oder Rührung. Körperliche Überanstrengung und alles Unregelmäßige wie zu spät ins Bett gehen, in den Urlaub hetzen, Reisen, Jogging vor dem Frühstück, Auslassen von Mahlzeiten etc. kann Attacken auslösen. Daneben spielen physikalische Faktoren wie der berühmte Wetterumschwung eine Rolle. Nicht das Wetter an sich ist das Problem, sondern die Umstellung des Körpers auf eine neue Wettersituation,

Welche Rolle spielen die Auslöser (Trigger)?

 

Es ist wie bei einem Gewehr. Wenn man den Auslöser drückt, geht der Schuss los. Kausal ist ein Trigger nicht, sondern er löst nur aus, wie das Wort ja schon sagt. Trigger wirken zu manchen Zeiten und zu anderen nicht. Ich kann heute Stress haben, nächste Woche auch, aber nur übernächste Woche löst Stress eine Migräne-Attacke aus.

Warum reagiert man manchmal auf Auslöser und manchmal nicht?

Entscheidend ist nicht der einzelne Faktor, sondern die Summe der Dinge in den vergangenen Tagen. Es kommt also nicht darauf an, was heute passiert ist, sondern in welcher Verfassung mein Körper allgemein ist. Wenn ich fünf Tage Stress gehabt habe, dann ist nicht der erste Tag das Problem, an dem der Stress am schlimmsten war, sondern der fünfte oder sechste Tag mit Stress, weil das Nervensystem dann erschöpft ist. Der häufigste Migränetag ist übrigens der Samstag gefolgt vom Sonntag. Den Grund kann man direkt aus diesem Wissen ableiten.

Wie sollte man sein Verhalten zur Vorbeugung anpassen?

Wenn ich weiß, dass Ängste und Stress Migräne auslösen, kann ich durch Entspannung, Ablenkung, Stressbewältigungstraining oder eine Verhaltenstherapie etwas bewirken. Ich werde von Patienten oft gefragt: Was soll ich denn noch machen? Meine Antwort: Es kommt nicht darauf an, noch mehr oder gar etwas Kompliziertes zu machen. Das Wirksamste ist, was Migränepatienten besonders schwerfällt: Gerade einmal nichts zu machen, innehalten, Langeweile zu empfinden. Sich zu erholen, sich auf eine Bank setzen, den Wolken nachzuschauen und den Vögeln zuzuhören. Das Nervensystem nicht arbeiten zu lassen und dem Energiedefizit vorzubeugen.

Kann man Migräne heilen?

Die Bereitschaft zur Migräne ist in den Erbanlagen verankert. Man kann Migräne nicht einfach wegzaubern, ihr davonlaufen. Man muss sich darauf einstellen und sein Leben daran anpassen.