Zehn Jahre erfolgreiche hausarztzentrierte Versorgung

Zehn Jahre erfolgreiche hausarztzentrierte Versorgung für Versicherte der Betriebskrankenkassen in Baden-Württemberg

Mit dem Hausarzt als Lotse werden Patienten besser versorgt und befähigt, bewusster mit ihrer Erkrankung umzugehen. Dieses positive Fazit ziehen nach zehn Jahren hausarztzentrierter Versorgung (HZV) der Hausärzteverband Baden-Württemberg, MEDI Baden-Württemberg, die BKK Vertragsarbeitsgemeinschaft (BKK VAG) Baden-Württemberg, stellvertretend für 53 Betriebskrankenkassen, zu wejchen die BKK SBH auch gehört. Weiterlesen „Zehn Jahre erfolgreiche hausarztzentrierte Versorgung“

Expertenchat am 07.10.2019: Work-Life-Integration – Arbeit und Lebensqualität

Business woman standing outside in front of office building, using mobile phone — Image by © Bernd Vogel/Corbis

Wie könnte ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Anforderungen im Job, familiären Verpflichtungen und Ihren Wünschen und Lebenszielen für Sie persönlich aussehen? Weiterlesen „Expertenchat am 07.10.2019: Work-Life-Integration – Arbeit und Lebensqualität“

Studie zur Liposuktion beim Lipödem in Vorbereitung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine klinische Studie in Auftrag gegeben, in der ab Anfang 2020 die Liposuktion (operative Fettabsaugung) mit der nichtoperativen Standardbehandlung des Lipödems verglichen werden soll. Die Kosten der Liposuktion werden im Rahmen der Erprobungsstudie von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Wer kann an der Studie teilnehmen?

An der Studie können Frauen mit Lipödem der Beine teilnehmen, bei denen es unter der Standardbehandlung nicht zu einer ausreichenden Beschwerdelinderung gekommen ist. Wichtig ist, dass es sich tatsächlich um ein Lipödem handelt. Ob sie tatsächlich an der Studie teilnehmen können, entscheidet der Studienarzt bzw. die Studienärztin nach der Untersuchung. Grundlage der Entscheidung sind die medizinischen Bedingungen des Studienprotokolls.

Wo kann man sich melden, wenn man an der Studie teilnehmen möchte?

Die Studie wird voraussichtlich an 10 Studienzentren (Kliniken oder Praxen) in Deutschland durchgeführt werden, etwa 450 Frauen können teilnehmen.

Für Frauen, die an der Studie teilnehmen möchten, wurde eine Webseite eingerichtet, unter der sie ihr Interesse an der Teilnahme anmelden können. Diese wird von einer informationstechnischen Servicegesellschaft im Auftrag aller Krankenkassen betrieben.

Sollten mehr Interessentinnen als Studienplätze vorhanden sein, so wird ein Losverfahren durchgeführt. Die so ermittelten Frauen werden dann durch das ihrem Wohnort am nächsten liegende Studienzentrum zu einem Untersuchungstermin eingeladen.

Falls Sie Interesse an der Studienteilnahme haben, können Sie dies unter

www.erprobung-liposuktion.de

unter Angabe Ihrer Kontaktdaten bekunden. Dort finden Sie auch nähere Informationen zur Studie. Die Interessenbekundung über die Webseite wird vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2019 möglich sein. Wenn Sie keinen Internetzugang haben, können Sie sich unter info@bkk-sbh.de ein Formular zur Interessenbekundung zuschicken lassen und dieses ausgefüllt bis zum 31.12.2019 an die Informationstechnische Servicegesellschaft zurücksenden. Jede Interessentin kann nur eine Interessenbekundung abgeben. Alle Interessentinnen mit Internetzugang werden gebeten, ihre Interessenbekundung über die oben genannte Webseite abzugeben.

Nähere Informationen zum Krankheitsbild des Lipödems und zur Liposuktion finden Sie unter www.erprobung-liposuktion.de

Was ist ein Lipödem?

Beim Lipödem handelt es sich um eine schmerzhafte, symmetrische, übermäßige Fettgewebsvermehrung an Armen oder Beinen. Das Lipödem tritt nahezu ausschließlich bei Frauen auf. Typisch ist eine Neigung zu Hämatomen („blauen Flecken“) auch bei kleinen Verletzungen. Zusätzlich können vermehrte Wassereinlagerungen in den betroffenen Regionen bestehen. Die Standardbehandlung ist die so genannte komplexe physikalische Entstauungstherapie. Sie besteht aus der Anwendung von Lymphdrainage, Kompression durch spezielle Strümpfe und Bewegungstherapie. Seit einigen Jahren bieten Ärzte auch die chirurgische Absaugung des Fettgewebes an den betroffenen Körperpartien an.

Was weiß man über die Liposuktion?

Bisher ist die Liposuktion keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, weil es keinen wissenschaftlich hochwertigen Beleg dafür gibt, dass die Liposuktion besser wirksam ist, als die konservative Standardbehandlung des Lipödems

aus Kompressionstherapie, Lymphdrainage und Bewegungstherapie. Man kann also nicht mit Sicherheit sagen, ob die Frauen durch die Operation nachhaltig von ihren Beschwerden befreit werden. Dazu müssen die beiden Verfahren an zwei Gruppen von Patientinnen direkt miteinander verglichen werden.

Die Datenlage zur langfristigen Sicherheit der Liposuktion beim Lipödem ist ebenfalls noch unzureichend. So ist nicht auszuschließen, dass nach der Liposuk-tion Fettgewebe nachwächst oder dass der Eingriff im Unterhaut-Bindegewebe zu Narbenbildungen führt, die den Lymphabfluss behindern. Diese Fragestellungen sollen in der Studie untersucht werden.

Expertenchat am 09.09.2019: Migräne

Im Schädel klopft und pulsiert es, an die täglichen Aktivitäten zu Hause oder bei der Arbeit ist kaum zu denken. Migräneattacken sind eine Qual. Wenn jemand häufig darunter leidet, ist es mit einer Packung Schmerzmitteln in der Schublade nicht getan. Wie sieht die richtige Behandlung aus? Was kann man tun, um vorzubeugen? Im Expertenchat am 9. September beantwortet unser Experte Ihre Fragen.

Unser Experte:

Professor Dr.med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel

Professor Hartmut Göbel ist Facharzt für Neurologie, speziell Schmerztherapie, Psychotherapie, Diplom-Psychologe, Gründer und Chefarzt der neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen unter anderem in klinischen Untersuchungen zu primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen, neuen Versorgungsformen in der Schmerztherapie und Studien zu neuen Therapieverfahren bei Migräne und Kopfschmerzen. Er ist Autor zahlreicher Publikationen aus dem Gesamtgebiet der Schmerztherapie, u.a.: „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe.“

Interview:

Warum leiden manche Menschen unter Migräne und andere nicht?

Bestimmte Risikogene in unseren Erbanlagen sind verantwortlich für eine hohe Migränebereitschaft. Einerseits betreffen sie das Herz-Kreislauf-System. Das zweite große Thema sind psychische und sensorische Mechanismen, für die unser Nervensystem verantwortlich ist, also Wahrnehmung, Denken, Kognition und Gefühle. Migränepatienten nehmen schneller wahr und reagieren schneller auf Reize.

Was löst eine Migräne aus?

Alles was zu schnell, zu plötzlich oder dauernd kommt, kann Migräneattacken auslösen. Stress steht ganz oben. Stress wird jedoch sehr individuell erlebt. Das zweite auf der Hitliste ist die Angst. Viele Patienten leiden mehr unter der Angst vor dem nächsten Anfall als unter den Schmerzen selbst. Weitere wichtige Auslöser sind negative oder positive Emotionen wie Sorgen, Traurigkeit oder Rührung. Körperliche Überanstrengung und alles Unregelmäßige wie zu spät ins Bett gehen, in den Urlaub hetzen, Reisen, Jogging vor dem Frühstück, Auslassen von Mahlzeiten etc. kann Attacken auslösen. Daneben spielen physikalische Faktoren wie der berühmte Wetterumschwung eine Rolle. Nicht das Wetter an sich ist das Problem, sondern die Umstellung des Körpers auf eine neue Wettersituation,

Welche Rolle spielen die Auslöser (Trigger)?

 

Es ist wie bei einem Gewehr. Wenn man den Auslöser drückt, geht der Schuss los. Kausal ist ein Trigger nicht, sondern er löst nur aus, wie das Wort ja schon sagt. Trigger wirken zu manchen Zeiten und zu anderen nicht. Ich kann heute Stress haben, nächste Woche auch, aber nur übernächste Woche löst Stress eine Migräne-Attacke aus.

Warum reagiert man manchmal auf Auslöser und manchmal nicht?

Entscheidend ist nicht der einzelne Faktor, sondern die Summe der Dinge in den vergangenen Tagen. Es kommt also nicht darauf an, was heute passiert ist, sondern in welcher Verfassung mein Körper allgemein ist. Wenn ich fünf Tage Stress gehabt habe, dann ist nicht der erste Tag das Problem, an dem der Stress am schlimmsten war, sondern der fünfte oder sechste Tag mit Stress, weil das Nervensystem dann erschöpft ist. Der häufigste Migränetag ist übrigens der Samstag gefolgt vom Sonntag. Den Grund kann man direkt aus diesem Wissen ableiten.

Wie sollte man sein Verhalten zur Vorbeugung anpassen?

Wenn ich weiß, dass Ängste und Stress Migräne auslösen, kann ich durch Entspannung, Ablenkung, Stressbewältigungstraining oder eine Verhaltenstherapie etwas bewirken. Ich werde von Patienten oft gefragt: Was soll ich denn noch machen? Meine Antwort: Es kommt nicht darauf an, noch mehr oder gar etwas Kompliziertes zu machen. Das Wirksamste ist, was Migränepatienten besonders schwerfällt: Gerade einmal nichts zu machen, innehalten, Langeweile zu empfinden. Sich zu erholen, sich auf eine Bank setzen, den Wolken nachzuschauen und den Vögeln zuzuhören. Das Nervensystem nicht arbeiten zu lassen und dem Energiedefizit vorzubeugen.

Kann man Migräne heilen?

Die Bereitschaft zur Migräne ist in den Erbanlagen verankert. Man kann Migräne nicht einfach wegzaubern, ihr davonlaufen. Man muss sich darauf einstellen und sein Leben daran anpassen.