Expertenchat am 12. Juni: Impfen – ja oder nein?

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„Impfen – ja oder nein?“ – das Thema sorgt bei vielen Eltern für Diskussionsstoff und erhitzte Gemüter.

Sowohl Impfbefürworter als auch -gegner haben gute Argumente. Oft stehen Eltern irgendwo dazwischen und sind verunsichert. Soll ich mein Kind wie empfohlen „durchimpfen“ lassen? Wie ernst sind die Diskussionen um möglicherweise gefährliche Nebenwirkungen zu nehmen? Ist es nicht besser, auf den Schutz einer durchgemachten Krankheit zu vertrauen? In unserem Expertenchat am 12. Juni 2017 um 20.30 Uhr können Sie Ihre persönlichen Fragen zum Thema stellen.

Der Experte

Andreas Kaunzner ist langjähriger Experte für gesundheitliche Themen und deren Weitervermittlung. Nach dem Studium der Medizin in Marburg war er zunächst an den Kinderkliniken Lörrach und Aschaffenburg beschäftigt. Darauf folgte die Tätigkeit im Gesundheitsamt Aschaffenburg, wo Herr Kaunzner seit 1993 als Arzt arbeitet. Außerdem bietet er als Referent sowohl Laienvorträge als auch Fortbildungen für Ärzte zu den Themenbereichen Medizin im Internet, Impfen und Reisemedizin an. Zurzeit ist Herr Kaunzner zudem in der Ausbildung von Hygienefachkräften und Amtsärzten in Bayern tätig.

Interview

Wie funktioniert eine Impfung?

Gegen Krankheitserreger bildet das Immunsystems unseres Körpers Abwehrstoffe (so genannte Antikörper). Doch nicht immer passiert das schnell genug und in entsprechender Menge. Wir können (kurzzeitig) schutzlos sein und werden krank – und das mit allen, manchmal schwerwiegenden, Folgen.

Durch den Impfstoff wird unser Immunsystem trainiert und bildet ein „immunologisches Gedächtnis“. Das heißt, unser Abwehrsystem „kennt“ die Merkmale (Antigene) des Krankheitserregers, wird sehr rasch aktiv und bildet frühzeitig Abwehrstoffe. So früh, dass man in aller Regel gesund bleibt oder – in selteneren Fällen – zumindest der Krankheitsverlauf sehr viel milder und ohne die schweren Komplikationen verläuft.

Manche Impfstoffe bilden nach einer bis zwei Impfungen ein praktisch lebenslang funktionierendes Gedächtnis und damit einen lebenslangen Schutz aus. Bei anderen Impfungen muss das Gedächtnis immer wieder „erinnert“ werden. Wir müssen nachimpfen.

Was kann die Folge sein, wenn Impfungen ausgelassen werden?

Impfungen wurden vor allem gegen Krankheiten entwickelt, die besonders ansteckend und auch besonders gefährlich sind. Viele der in den 50er Jahren Geborenen erinnern sich noch gut an die Folgen der Kinderlähmung. Durch die in den frühen 60er Jahren eingeführte Polio-Schluckimpfung wurde diese Erkrankung in Europa und weiten Teilen der Welt praktisch ausgerottet.

Ein anderes Beispiel sind die Masern: Kurz vor der Jahrtausendwende starben weltweit noch 1,2 Millionen Menschen, oft Kinder, an Masern. Auf dem amerikanischen Kontinent und in Nordeuropa kommen Masernerkrankungen praktisch nicht mehr vor. Auch in vielen Entwicklungsländern werden sie als Folge der Impfungen immer seltener. In Deutschland kommt es leider, als Folge einer nicht ausreichenden Impfrate, immer noch zu Ausbrüchen mit mehreren hunderten Erkrankten und fast in jedem Jahr auch zu einzelnen Todesfällen.

Wenn man nicht geimpft ist oder Impfungen auslässt, gibt es folglich keinen Schutz oder der Schutz lässt nach. So erkrankt man bei einer Ansteckung mit dem entsprechenden Krankheitserreger an der jeweiligen Krankheit – und das mit allen möglichen Folgen und ggf. auch Komplikationen. Das kann zu mehr oder weniger schweren Beeinträchtigungen über einige Tage bis Monate führen. Es kann aber auch manchmal zu bleibenden Organschäden und zu Behinderungen und in seltenen Fällen zum Tod kommen.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Impfung auftreten?

Moderne Impfstoffe müssen hohe Anforderungen an die Wirksamkeit und Verträglichkeit erfüllen, sie sind im Allgemeinen sehr gut verträglich. Gerade da man gesunde Menschen vorbeugend impft, um vor einer potentiellen Gefahr zu schützen, sind die Ansprüche besonders hoch. Lokale Reaktionen nach Impfungen wie leichte Rötungen oder Schwellungen dauern selten länger als 48 Stunden. Sehr selten kommt es zu allergische Reaktionen, die in extrem seltenen Einzelfällen schwer ausgeprägt sein können.

Wie finde ich heraus, welche Impfung ich wann vornehmen lassen sollte?

Für Impfungen gibt es in Deutschland die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO www.stiko.de) beim Robert-Koch-Institut. Diese Empfehlungen begründen, warum bestimmte Impfungen sinnvoll sind um die Bevölkerung und die Menschen in Deutschland zu schützen. In diesen Empfehlungen gibt es meistens einen Impfkalender, aus dem man die empfohlenen und sinnvollen Impfungen rasch ablesen kann.

Wo finde ich heraus, ob ich bei meinem Reiseziel auf bestimme Impfungen achten muss?

Bei geplanten Reisen ist zunächst der Hausarzt der Ansprechpartner. Bei Reisen ins Ausland, insbesondere außerhalb Europas, ist es oft sinnvoll, darüber hinaus einen Reise- oder Tropenmediziner zu Rate zu ziehen. Auch das örtliche Gesundheitsamt kann oft beraten und zumindest eine erste Orientierung geben.

Diese Beratung sollte frühzeitig, idealerweise mindestens sechs bis acht Wochen vorher erfolgen. Insbesondere bei Reisen mit Zielen außerhalb Europas ist dies sinnvoll. Dann bleibt genug Zeit, die sinnvollen oder notwendigen Impfungen und weiteren Vorbeugemaßnahmen zu besprechen, zu planen und in der Folge durchzuführen.

Listen reisemedizinisch tätiger Ärzte sowie Gelbfieberimpfstellen gibt es im Internet, beispielsweise unter:
http://www.reisemed-experten.de/seite/reisemedizinisch-fortgebildete-aerzte-und-apotheker

[www.stiko.de]

) beim Robert-Koch-Institut. Diese Empfehlungen begründen, warum bestimmte Impfungen sinnvoll sind um die Bevölkerung und die Menschen in Deutschland zu schützen. In diesen Empfehlungen gibt es meistens einen Impfkalender, aus dem man die empfohlenen und sinnvollen Impfungen rasch ablesen kann.

Wo finde ich heraus, ob ich bei meinem Reiseziel auf bestimme Impfungen achten muss?
Bei geplanten Reisen ist zunächst der Hausarzt der Ansprechpartner. Bei Reisen ins Ausland, insbesondere außerhalb Europas, ist es oft sinnvoll, darüber hinaus einen Reise- oder Tropenmediziner zu Rate zu ziehen. Auch das örtliche Gesundheitsamt kann oft beraten und zumindest eine erste Orientierung geben.
Diese Beratung sollte frühzeitig, idealerweise mindestens sechs bis acht Wochen vorher erfolgen. Insbesondere bei Reisen mit Zielen außerhalb Europas ist dies sinnvoll. Dann bleibt genug Zeit, die sinnvollen oder notwendigen Impfungen und weiteren Vorbeugemaßnahmen zu besprechen, zu planen und in der Folge durchzuführen.
Listen reisemedizinisch tätiger Ärzte sowie Gelbfieberimpfstellen gibt es im Internet, beispielsweise unter:
http://www.reisemed-experten.de/seite/reisemedizinisch-fortgebildete-aerzte-und-apotheker